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Ver…rückt? Ver..deckel? Ver…rannt? Ver…standen? Ver…setzt? Ver…flucht? Ver…da…?

Nein: Vergeigt? – Er habe es vergeigt, sagte heute ein Freund am Schluss seiner Erzählung. Es ging um einen Autor, der die Frau seines Lebens gefunden habe, während sie in ihm den Mann ihres Lebens gefunden habe. Und trotzdem seien sie nicht beisammen geblieben, sondern sie habe einen anderen Mann und er eine andere Frau geheiratet.

Soweit die Realebene. Die nächsthöhere Ebene in der Erzählung war die eigentlich berührende. Die beiden füreinander Bestimmten seien zwar nicht zusammengeblieben, doch sie seien es andererseits schon. Er ist nämlich tot, früh an einer schweren Krankheit gestorben. Sie ist mit ihm in Verbindung, so habe sie es ihm, dem Erzähler, geschlidert. Wann immer sie wolle, besuche er sie (wir würden platt sagen: im Geiste) und gebe ihr, wenn sie ihn frage, Antworten und Tipps. er war nämlich Arzt.

Ja schade, endete der Erzähler diese Geschichte, wären sie doch im Leben auch zusammengeblieben. Sie hätte es ja gewollt, er leider nicht. Tja, er hat die Sache vergeigt.

Seit dieser Geschichte, deren überirdischen Flair ich nicht wiedergeben kann, während des Erzählens aber gespürt habe, seit diesem Tanz von Begegnungen, Abschieden und Wiederbegegnungen in anderer Form, vor allem seit dem Schlusskommentar unter dieses feinstofflichen Gefüges durch das Wort «vergeigt» höre ich in meinem inneren Ohr die Geige ganz anders, abgründiger und erhebender noch als bisher. Im ersten Moment dachte ich, das passt nicht, unter eine solche Geschichte das Schlusswort «vergeigt» hinzupfahlen. Doch da ist ein Flair, da klingt etwas an, was nur durch eine Geige erklingen kann…