Frontenverschiebung

Während der documenta fifteen erschreckten mich im damaligen Antisemitismusstreit, der seinen Würgegriff um diese Kunstausstellung schlang, immer wieder vor allem zwei Namen: Volker Beck und Meron Mendel.

Sie beanspruchten während dieser unsäglichen, hochpolitischen Debatte eine Art Alleinstellungsanspruch, was ihre Einmischungskompetenz betraf.

Das machte mich manchmal halb krank.

Die von ihnen kritisierte documenta ist längst vorbei, doch der streitbare Geist in den beiden Männern tobt anscheinend weiter, nur, dass sie sich jetzt gegenseitig angreifen. 

Jeder der beiden scheint genau zu wissen, was mit Außenstellen der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem passierte, wenn solche, wie manche befürworten, in Deutschland eröffnet würden. 

Meron Mendel zeigt sich der israelischen Regierung gegenüber kritisch und befürchtet ihre Einmischung und politische Einflussnahme, Volker Beck hält eine solche kritische Haltung für restlos unbegründet. 

Was Mendel und Beck zu verbinden scheint, ist ihre Überzeugung, dass jeder von ihnen Bescheid wisse und mit seiner Meinung politisch Einfluss zu nehmen nicht nur berechtigt, sondern geradezu aufgefordert sei. 

Beide warnen vor den falschen Leuten, die falsche Erinnerungkultur betreiben könnten – dass sie selbst vielleicht die Falschen sind, die da mitzureden haben, ist ein weiteres Merkmal der beiden streitbaren Männer.