Freundschaft

Macnhmal kommen Freunde nicht drumherum, die Fundamente ihrer Freundschaft zu befragen. Die Folge einer solchen Befragungn kann sein, dass die Freundschaft auf neue Fundamente gestellt oder sogar begraben werden muss, je nach dem. Was da für Entscheidungen anstehen, hängt allein von den involvierten Menschen ab. Das ist das Gute daran, allerdings auch ein hoher Anspruch!

Eine Freundschaft zeichnet sich durch Freiheit aus, Freunde und Freundinnen melden sich manchmal lange Zeit nicht, sie tragen sich in Gedanken, Gefühlen, Erinnerungen. Gehen eigene Wege und melden sich plötzlich ohne Dramatik, manchmal auch mit Dramatik, doch die in Freundschaft sich Begegnenden wahren ihre Freiheitsräume. Manchmal sagen sie sich Sachen, die sonst niemand sagen dürfte, sie sind sich eng ohne Erwartungen.

Freundschaft ist nicht Familie, nicht Beziehung. Auch nicht Seilschaft, in der gemeinsame Interessen gegen andere positioniert werden. Sie kann aus uralten Zeiten stammen, aus der gemeinsamen Kindheit, Jugend, Schulzeit.

Eine Nagelprobe bei Freundschaften war schon immer die Gedankenentwicklung der Einzelnen. Im Prinzip verträgt eine gute Freundschaft jede solche Entwicklung, auch neue Lebensstile verträgt sie, beispielsweise wenn es sich abzeichnet, dass A. wie schon immer ein finanziell eingeschränktes Dasein fristet, während B. zu Wohlstand kommt und entsprechend das eigene Leben gestaltet. Der eigentliche Prüfstein ist die Gedankenentwicklung bei den Freunden, ihre Weltanschauung. Auch sie ist ‹im Prinzip› im Gesamtgefüge der Freundschaft aufgehoben, wird zu keinem gestaltenden und deshalb auch nicht zu einem den Freundschaftsfrieden gefährdenden Element.

Seit Corona ist dieses Prinzip der Freundschaft in Frage oder vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Das Impfthema ist ein Spaltpilz in der Gesellschaft, so tief, dass er Freundschaften bedroht, auch Familien. Da tobt eine Art Weltanschauungs-Stellungskrieg, in dem Wissen, Überzeugungen und Emotionen gegeneinander ins Feld geführt und Siege zu erringen versucht werden. Das Zwischenmenschliche, Demokratische, Individuelle ist gründlich in Frage gestellt – auf beiden Seiten (ein Holz gibt bekanntlich noch kein Kreuz). Der Humor droht abhanden zu kommen, das Geschenk der Verbundenheit steht vor schier unüberwindlichen Problemen.

Freundschaften, die von solchen Turbulenzen bedroht und umstellt sind, stellen ein Stück Menschlichkeit in wenig menschlichen Zeiten dar. Ich erlebe, wie ich immer wieder die Daumen drücke, genau beobachte, gute Gedanken hinschicke, wenn ich von bedrohten Freundschaften höre, nur weil sich weltanschauliche Trennwände zwischen den Partizipierenden aufgetan haben. Und ich juble jedesmal, wenn ich höre, dass zwischen ihnen Wege der Verständigung gefunden wurden, die wir im öffentlichen Leben vermissen. Sie waren noch nie so wichtig wie heute, unsere Freundschaften. Bemühen wir uns um sie, bemühen wir uns um Worte, die das Trennende aufheben und neu Verbindung schaffen.

Es lohnt sich, denn Freundschaft ist etwas vom Schönsten, was Menschen haben.