Goethe und Beuys

Vor zwei Jahren bin ich dazu übergegangen, mir meine Arbeit und meine Tage selber einzuteilen. Ein neues Lebensgefühl – und ein rundum gutes. Ich bin nun gleichzeitig der Befehlshaber und der Diener meiner mir wichtigen Dinge.

Diesmal spreche ich in eigener Sache. Es geht um zwei Bücher. Sie handeln nicht von mir, sondern von Goethe und Beuys. Deshalb erlaube ich etwas vollmundige Worte.

Ich hatte große Freude während des Schreibens am Buch Die Nacht des Erzählens, das sich historisch mit Goethes Unterhaltungen Deutscher Ausgewanderten, vor allem aber mit seinem Leben zwischen seiner Rückkehr aus Italien 1788 und dem Erscheinen der Horen 1795 beschäftigt. Und noch eigentlicher beschäftigt es sich mit der Frage nach der Streitsucht unter uns Menschen heute und den Qualitäten, die das dialogische Gespräch und das Bescheidenwerden und Verzichten für unsere gegenwärtige Menschenwelt und die Welt überhaupt für großartige Möglichkeiten in sich birgt. Mich über lange Zeit jeden Tag so nah an der Seite Goethes zu fühlen und den Klassiker existentiell auf meine gegenwärtige Lebenswelt zu beziehen, hat mich in meiner ersten Zeit als (frei)schaffender Autor schlichtweg total beflügelt. Dabei hatte ich allerdings nicht das Gefühl, vor lauter Flügelschlägen die Bodenhaftung zu verlieren, im Gegenteil.

Dann gibt es eine weitere Freude: Der Info3-Verlag baut die Büchervorräte ab und räumt Teile seines Lagers. Deshalb bietet er das Buch Beuys Platanen und Basalte seit Dezember 2018 zum sensationellen Preis von 19,90 € an. Im diesem Buch, das Joachim Kühmstedt aufwendig gestaltet hat, ist beispielsweise untenstehendes Foto von Bernhard Rüffert abgebildet, das das Porträt von Beuys in einem Doppelantlitz zeigt, aufgenommen während der Umschmelzung der Zarenkrone Iwans des Schrecklichen anläßlich der documenta 7. Das Bild gibt es nur in unserem Buch, Eva Beuys, die die exklusiven Rechte auf allen Beuysfotos hat, die in Büchern erscheinen, hat uns den Abdruck auf persönliche Anfrage hin erlaubt!

Der großformatige Band dokumentiert die Großbaustelle der Landgraf-Karl-Straße in Kassel, die 2005 und im Jahr danach bis auf zwei Meter Tiefe vol durchsaniert wurde. Die dort stehenden Beuysbäume auf beiden Straßenseiten waren eingepackt, das ganze sah aus wie ein großes Kunstwerk – und es sah aus wie eine Riesenverletzung. Also ein extremes Buch. So etwas passt zu Beuys selber, war er doch sperrig und das Manifest einer Wunde. Ich selber bin, so oft ich in diesem bibliophilen Fotobuch blättere, immer wieder von Neuem bewegt und begeistert.

Mit herzlichem Gruß,