Die Begriffe Königsberg und Kaliningrad bezeichnen dieselbe Stadt in unterschiedlichem historischem und politischem Kontext.
Die Stadt war 850 Jahre deutsch gewesen. Nach der Kapitulation der Nationalsozialisten wurde sie russisch. Seit 1946 heißt sie Kaliningrad.
Hans Graf von Lehndorff war unweit Königsberg auf die Welt gekommen und schrieb nach dem Krieg das Ostpreussische Tagebuch. In diesem Buch schildert er auf über 300 Seiten das Grauen in den Tagen der Zerstörung und Übernahme der Stadt durch die aus Osten nach Deutschland vorrückenden Russen. Die geschilderten Szenen erinnern an den untersten Kreis der Hölle in Dantes Göttlicher Komödie.
Lehndorffs Augen-Öffner-Buch hat über 35 Auflagen erlebt. Wo sind all die Leser*innen dieses Buches? Warum gehen sie, gehen wir – ich habe jede Zeile des Buchs gelesen und nach jedem Absatz nach Luft gerungen – nicht auf die Straßen in Deutschland und sagen, dass die Lösung, Deutschland wiederaufzurüsten und wieder deutsches Kriegsgebrüll ertönen zu lassen, keine Lösung ist, sondern die Wiederholung dessen provoziert, was von Lehndorff in seinem literarisch hochwertigen Tagebuch niedergeschrieben hat.
Die Lösungen, die hermüssen, sind nicht einfach, doch dass die zähneklirrende Aufrüstung Deutschlands keine Lösung sein kann, das ist gewiss und sollte deshalb nicht nur überdacht, sondern fallengelassen werden.

