Reden über den Fortschritt

Als ich vor vielen Jahren mit Rupert Neudeck zu tun hatte, erzählte er eine nette Geschichte von einem Bürgermeister in Afghanistan, der ihm ein Dokument von seinem Heimatort nach Deutschland schicken wollte und zu Neudeck gesagt habe, die Sendung müsste dann und dann bei Neudeck in Köln ankommen, «vorausgesetzt die Deutsche Post ist pünktlich.»

Damals war das noch ein Lacher. Heute ist es so eine Sache, oft auch einfach ein Jammer, diese Sache mit der Deutschen Post. 

Noch jammeriger wird es, wenn ich von Deutschland aus Post in die Schweiz schicke. Zum Beispiel ein Buch. Das Porto ist manchmal teurer als das Buch, das ich verschicke. Post von Deutschland ins nichteuropäische Ausland, wie die Schweiz hierzulande genannt wird, kostet bis zu zehn mal mehr als Post im Inland. 

Und das Unangenehmste neuerdings ist, dass du immer mehr damit rechnen musst, dass die Sachen in der doch eigentlich so nahen Schweiz nicht mehr ankommen. 

Ich jedenfalls bin immer froh, wenn ich ein Zeichen aus der Schweiz bekomme, dass meine Sachen, beispielsweise, wie unlängst geschehen, ein nett eingepacktes Taschenbuch, das ich hier abgeschickt habe, auch tatsächlich am Bestimmungsort angekommen ist.

Tja, da reden sie überall von Fortschritt und neuer Technik, auch von diesem magischen Höher-Schneller-Jederzeit-Jetzt. Was die Post betrifft, ist dieser Fortschrittszug längst abgefahren.