Früher war das Bespielen von Orten großen Baumeistern vorbehalten. Die große Zeit der Architekur dauerte Jahrhunderte, ja Jahrtausende. Und diese Art der Gestaltung hervorgehobener Orte war die einzig gesellschaftlich relevante, sowohl im Sakralen als auch im Öffentlichen.
In der Aktionskunst des 20. Jahrhunderts war das Performen von Orten zentral. Der Ort musste nicht im Vorhinein darstellen, was durch große Architekur gegeben war. Das künstlerisch Tun am gewählten Ort stand im Zentrum. Laut Beuys waren uns sind solche Orte beispielsweise Hauptbahnhöfe, gerade auch heruntergekommene und als Orte wenig bis gar nicht überzeugend.
Heute hat sich der Umgang mit Orten nochmals verschoben und sozusagen privatisiert, auch deshalb, weil öffentliche Orte vom Ungeist gekapert und umdefiniert werden.
So sind Orte, an denen Neues geschieht, solche, die weder architektonisch vorbestimmt sind noch durch Einzelne in eine Ordnung gebracht werden. Vielmehr geht es um gemeinsame Impulse, aus denen heraus sich Energie, Sammlung, Zusammenklang gestaltet, der weder an vorgegebene Orte noch an die Initiative Einzelner bindet.

