Dieses verrückte Nachrichten-Schauen

Wie beim Wählen scheiden sich auch beim Nachrichten-Schauen die Geister: die einen tun’s, die anderen lassen’s. Konsens ist nicht in Sicht. Auch hier geht ein Riss quer durch die Gesellschaft.

Gestern im Café saß ich einem gebildeten, tief im Geistigen verwurzelten Menschen gegenüber. Das Gespräch drehte sich um die Angst. Man müsse informiert sein und die Nachrichten schauen. Mein Gegenüber schaut auch jeden zweiten Abend Markus Lanz. Dabei, nein ich sage: dadurch nimmt die Angst dieses wachen Zeitgenossen ständig zu, auch die Verwirrung, doch Tagesschau und Lanz-Diskussionen müssen schlichtweg sein. 

Was ist dagegen zu sagen? Höchstens dies, dass auch andere Schwerpunkte gesetzt werden könnten. 

Da gab es doch diesen weisen Philosophen Seneca. 

Die Beschäftigung mit ihm bringt Ruhe in unsere stürmische Zeit. Seneca war ein demokratisch ausgerichteter Staatsmann. Er lebte in der dunklen Zeit, als Kaiser Nero in Rom herrschte. Im krassen Gegensatz zu Nero lebte Seneca nicht für sich, sondern für die anderen.

Nero zwang ihn 65 n. Chr. dazu, sich das Leben zu nehmen. Senecas sagte den trauernden Menschen, die dabei waren, als er aus dem Leben ging:

«Ihr seht, dass es mir nicht vergönnt ist, eure Dienste mit den letzten Zeichen meiner Wertschätzung zu vergelten. Eines aber bleibt mir noch: Ich hinterlasse euch das Beispiel meines Lebens als das beste und kostbarste Vermächtnis, das mir zu geben möglich ist.»

Dieser ehrenrührige Seneca wurde von einem machtbesessenen wahnsinnigen Politiker ermordet und fand angesichts dieses unsäglichen Geschehens solche Worte. Sie trösten mich in einer Zeit, wo solche Morde weiterhin stattfinden.Die Worte klingen wie der Beweis, dass es unter falschen Lebensumständen ein richtiges Leben gibt.