Traum

Im Übergang von der REM-Schlaf-Phase in die hypnopompische Phase, einfacher ausgedrückt: kurz vor dem Erwachen hatte ich einen Traum mit einem Teil archaischer Themen und einem daran angehängten Teil anfänglicher, halbschlafartiger Reflexion. 

Ich träumte, ich irrte zur Zeit unserer neolithischen Vorfahren mit einigen anderen aus meinem Clan, vermtlich irgendwo unter der Erde in Mexiko, durch unterirdische Höhlengänge. Wir rannten und rannten, ich immer dem Menschen, der einige Meter vor mir ebenfalls rannte, hinterher. 

Erst rannte ich kopflos mit. Die längste Zeit. Dann schaute ich ab und zu mal in Höhlengänge, die wir links und rechts liegen ließen und dachte: «Um Gottes Willen, woher wissen wir denn eigentlich, wo wir entlang rennen?» Dann dachte ich, während wir immer weiter rannten und immer wieder die Richtung leicht änderten: «Wenn jetzt der Mensch vor mir hinter der nächsten Biegung verschwindet, weiß ich nicht mehr, wie es weiter geht und auch nicht, wie der Weg zurückgeht.» 

Ich erschrak und beruhigte mich sofort wieder, denn ich konnte ja denken. Und dachte: Nun, dann mache ich es doch wie Ariadne seinerzeit auf Naxos, ich nehme ein Wollknäuel und ziehe los, immer neben mir den Faden ausrollend. Ich kann jederzeit vor und zurück und finde immer wieder den Ausgangspunkt. 

Das luzide Gefühl, mit klarem Verstand ein Lebensproblem zu lösen, erlebte ich als Vorgriff auf eine Zeit, in der auch andere Menschen so etwas könnten. Doch vorerst konnte es nur ich allein. Ich war meinem Clan weit voraus. 

Allein – mein klarer Verstand blieb nicht stehen. Ich dachte, bevor ich erwachte: na ja, das mit dem Wollknäuel ist natürlich schon eine große Vernunftleistung. Hut ab, nur, du steckst doch schon mitten drin im unterirdischen Höhelnsystem! Was nützt es dir, wenn du dich mittels eines Fadens orientierst?! Du kommst nur immer an den Punkt zurück, wo dir das eingefallen ist, und dieser Punkt ist irgendwo unter der Erde und du hast keine Ahnung wo. 

An diesem Punkt endete der Traum…