Ich erinnere mich gut an die Johannitage in meiner Kindheit in den Bergen. Die Wiesen waren frischgemäht, wir rannten abends noch lange barfuß herum und verfolgten belustigt Leuchtkäferchen. Wir sammelten sie in Gläsern und kippten sie auf dem Esstisch vor dem Haus aus. Von unserem Schlafzimmer im ersten Stock aus konnten wir durch die geöffneten Fenster runterschauen und beobachten, wie die Käferchen in die Ritzen Johannikäferchen, das war einmal weiterlesen
Archiv der Kategorie: Blog
Die Shrimps
So funktioniere das Hirn, erzählte Gerald Hüther einmal in einem seiner Vorträge, in denen es ihm manchmal eher um die Belustigung des Publikums geht als um die Mitteilung von Fakten: Der Mann ruft in der Anwaltspraxis seiner Frau an, die sehr busy ist. Er sagt: «Du weißt, dass wir heute Besuch zu Hause haben.» «Gut, dass Du mich daran erinnerst», sagt die Gattin, «ich geh dann noch schnell einkaufen, ok?» Und so kauft sie nach Büroschluss ein und trägt zwei Tüten durch den Centralpark nach Hause, in ihnen gibt es Sekt, Snacks, einen Salat, Avocados und Zitronen. Sie hat an alles gedacht. Es dunkelt schon, ein Mann tritt aus einem Gebüsch, stellt sich ihr in den Weg, reißt den Mantel auf, er ist ein Exhibitionist. Sie denkt: «Mist, ich hab‘ die Shrimps vergessen!» Die Shrimps weiterlesen
«Mein Bauchgefühl»
Das mit meinem Bauchgefühl ist so eine Sache. Ich brauche es oft bei wichtigen Entscheidungen, beim Klettern oder in Gesprächen. Auf mein Bauchgefühl kann ich mich verlassen. Doch es gibt Bereiche, wo es nicht passt. Autofahren beispielsweise tue ich ohne Bauchgefühl, da befolge ich die Verkehrsregeln, basta. Wenn ich Bußgelder bekomme, dann wegen Regelmissachtungen, da habe ich dann einfach zu viel riskiert oder ein Tempolimit übersehen. Ich bin dann einfach zu schnell gefahren, aber ich bin noch nie wegen meines Bauchgefühls über eine rote Ampel gerollt, ist das schlichtweg keine Option? «Mein Bauchgefühl» weiterlesen
«No Sports»
Ich bin mir nicht sicher, wie verzichtsvoll Churchills Auspruch «No Sports» war, sah er doch nicht gerade aus wie jemand, der sich gern bewegte. Jedenfalls ist die Frage, wieviel Sport es denn bitte sein darf, eine wirklich ernste Frage. Wieviel Energie fließt in den Sport? Wieviel von der Gesamtenergie bleibt dann für anderes übrig? «No Sports» weiterlesen
Lärm
Schallwaffen können hörbaren Lärm verbreiten, aber auch unhörbar mit Frequenzen operieren, die unseren Körper traktieren, ohne dass wir merken, woher die Beeinträchtigung kommt. Schallwaffen sind nichttödliche Waffen, sie machen Personen kampfunfähig oder sie vertreiben sie, beispielsweise Flüchtlinge, jedoch sie töten nicht, jedenfalls ist das Töten nicht das eigentliche Ziel. Doch weil Todesfälle Lärm weiterlesen
Finger im Tee
In seinem Roman Die Eiswand schildert der japanische Schriftsteller Yasushi Inoue in einer kleinen Nebenepisode, wie die schöne Frau des Wissenschaftlers ihrem Gatten Tee serviert. Sie beobachtet, wie er in die Tasse schaut, zögert und ihr den Tee zurückgibt. Hat er mitbekommen, dass sie, kurz bevor sie ihm den Tee reichte, mit zwei Fingern kurz ins Teewasser langte, um ein kleines Blättchen rauszufischen, das obenauf schwamm? Er konnte es nicht gesehen haben, doch irgendwie Finger im Tee weiterlesen
Freundschaft
Macnhmal kommen Freunde nicht drumherum, die Fundamente ihrer Freundschaft zu befragen. Die Folge einer solchen Befragungn kann sein, dass die Freundschaft auf neue Fundamente gestellt oder sogar begraben werden muss, je nach dem. Was da für Entscheidungen anstehen, hängt allein von den involvierten Menschen ab. Das ist das Gute daran, allerdings auch ein hoher Anspruch! Freundschaft weiterlesen
Schon wieder
Ich muss schon wieder was mit dem Klopapier loswerden. Passt zum vergangenen Abstimmungswochenende in der Schweiz. Es hat mal wieder gezeigt, dass den Leuten ihr gegenwärtiger Wohlstand wichtiger ist als eine lebenswerte Welt für unsere Nachkommen. Der eigene Bauch und die verschiedenen Öffnungen am eigenen Leib sind uns in der Regel wichtiger als Verantwortung der Welt gegenüber. Schon wieder weiterlesen
Keine Frage, das ist arrogant
Sich nicht mit Mode zu beschäftigen, ist arrogant. Mode sei ein ästhetisch bereichernder Teil unseres Alltags und definiere, zumindest partiell, wer wir seien. So zu lesen in einem Beitrag des italienischen Philosophen Andrea Baldini im Newsletter des Philosophie Magazins. Baldinis Landsmann Giacomo Leopardi hatte eine andere, nüchternere Sicht auf die Mode. Er schrieb vor zweihundert Jahren einen atemberaubenden Dialog über die Mode und den Tod. Keine Frage, das ist arrogant weiterlesen
„Sorgen muss man ernst nehmen!“
Vor einigen Jahren nannte der Journalist Adam Soboczynski den Satz «Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen» eine «schwer erträgliche Floskel», die aus der therapeutischen Praxis in die politische Debatte übertragen worden sei, dort allerdings schlichtweg nichts tauge. Er erinnerte an eine Videobotschaft, in der Angela Merkel sehr ernst und eindringlich sagte: „Sorgen muss man ernst nehmen, egal, wo sie auftreten.“ „Sorgen muss man ernst nehmen!“ weiterlesen
